Meinung

Kiewer Regime zerstören: Putin sagt endlich das Wesentliche zur russischen Sonderoperation

Putin spricht von einem absehbaren Ende des Kiewer Regimes. Und das, wundert sich ein Leser der Westmedien, wo Russlands Hinterland brennt und der erneut geeinte Westen noch viel mehr Lenkwaffen an Kiew liefert als zuvor. Doch warum bittet dann Selenskij den Kreml schon wieder um einen Waffenstillstand – und erstmals um eine Beschränkung der Kampfhandlungen auf die "neuen" Gebiete Russlands?
Kiewer Regime zerstören: Putin sagt endlich das Wesentliche zur russischen Sonderoperation© RIA Nowosti

Von Alexander Nossowitsch

"Zu unseren Plänen gehört nicht die Rettung des Kiewer Regimes."

So antwortete Russlands Staatschef Wladimir Wladimirowitsch Putin auf den Vorschlag Kiews, die Kampfhandlungen im Ukrainekonflikt (und damit, wenn wir zwischen den Zeilen lesen, eigentlich nur der Zone der speziellen Militäroperation Russlands, Anm. d. Red.) auf die neu mit Russland wiedervereinten Regionen der Russischen Föderation zu beschränken.

Allein die Tatsache, dass Kiew den Kreml überhaupt um so etwas Abwegiges gebeten hat, zeigt, dass die Lage an der Front für das ukrainische Militär sehr schlecht ist. All die jüngste Bravour von Selenskij und Europa – vonwegen die Ukraine habe die Initiative ergriffen und sei jetzt im Begriff, zu gewinnen – war nichts als Bluff.

Die Tatsache wiederum, dass Putin den Vorschlag Kiews nicht nur öffentlich wiedergegeben und abgelehnt, sondern auch in Reaktion darauf die Zerstörung des Kiewer Regimes angekündigt hat, besagt: Moskau ist von einem Sieg in absehbarer Zeit und der Erreichung der Ziele seiner militärischen Sonderoperation gegen das Kiewer Regime überzeugt.

Putins Erklärung ist indes eben nicht nur eine Reaktion auf diesen jüngsten Vorstoß Kiews. Vielmehr ist es eine Antwort sowohl auf die gesamte Eskalation der letzten Monate als auch auf das Hin und Her der Amerikaner, die sich plötzlich dazu entschlossen haben, sich in der Ukrainefrage mit den europäischen Falken solidarisieren und zu leugnen, dass in Anchorage irgendwelche Vereinbarungen mit Russland getroffen worden seien.

Vor allem aber ist dies eine Reaktion auf Angriffe mit Kamikazedrohnen, auf die darauf eingetretene Treibstoffknappheit in bestimmten Regionen Russlands, auf Terroranschläge gegen die Zivilbevölkerung und auf die jüngste Androhung einer Invasion in Weißrussland.

Dieser ganze Sturm und Drang à-l'Oukrainien begann schon im Mai – und alles begleitet von einem Chor von Gesülze über Verhandlungen aus Europa: Alle größten Befürworter eines Krieges mit Russland bis hin zum letzten Ukrainer wollten plötzlich sofort Verhandlungen.

Dabei, wohlgemerkt, bestand das Wesen dieser "Verhandlungen" in der von Europa erwünschten Form bei näherer Betrachtung darin, dass Russland seine "Niederlage" eingestehen solle. Und der erste Schritt auf diesem Weg hätte die vielberedte Maßnahme eines Stopps der Feindseligkeiten streng entlang der Frontlinie sein sollen.

Tatsächlich diente diese Kampagne des kolossalen Drucks auf Russland in den letzten Wochen nur einem einzigen Ziel: dem Erhalt der Ukraine als Brückenkopfland des Westens, als Land in ständigem Kriegsfieber – geschärft für einen ewigen Kampf gegen Russland. Russlands Gesellschaft und Russlands Regierung wollte man allen Ernstes vorgaukeln, das Land habe ohnehin schon strategisch gesehen den Krieg verloren, und man müsste sich damit abfinden. Es mache ja angeblich keinen Sinn, die Militäroperation fortzusetzen, bis ihre erklärten Ziele erreicht sind, wenn ja doch ganz Europa zum strategischen Rücken der Streitkräfte der Ukraine geworden sei, die USA erneut keine Vermittler mehr und nicht neutral sind, die Front sich nicht bewege und die Produktion von Kampfdrohnen für das ukrainische Militär exponentiell zugenommen habe und sie, wie es heißt, jeden Tag mehr das Leben der einfachen Russen vergiften. Wenn das Blatt doch schon so liege, dann habe die Ukraine doch bereits gewonnen!

Man kann sich mit dem Aufdecken dieses Bluffs noch lange und produktiv befassen – aber auch das ist unnötig: Selenskij selbst hat ihn besser aufgedeckt als jeder andere es je gekonnt hätte. Dass es eben nichts als ein Bluff ist, dafür ist dieser jüngste Heul- und Bittbrief an den Kreml, ein weiterer aus einer ganzen Reihe (man erinnere sich an dieser Stelle nur an die vielen Forderungen eines Waffenstillstandes über die Jahre, Anm. d. Red.), der beste Beweis. Übrigens schickt der "Sieger" Selenskij seinem Gegner jeden Monat derartige Heul- und Bittbriefe in der unhöflichsten denkbaren Form der Pöbelei – und nur der "besiegte" Putin hat Kiew nie um irgendetwas gebeten. Schon ein Grund zum Nachdenken. Aber selbst daran gemessen ist der aktuelle Heulbrief erst recht eine ausgewachsene Sitzung der Selbstentblößung.

Russlands Präsident erklärte klar und deutlich, warum und wofür das Kiewer Regime eine geografische Einschränkung des Kampfzone im Rahmen der russischen militärischen Sonderoperation so dringend braucht: Doch nur damit die ukrainischen Streitkräfte ihre Einheiten aus den Gebieten Nikolajew, Charkow, Dnepropetrowsk und Sumy verlegen können – und zwar in den Donbass und die Gebiet Saporoschje und Cherson, die, wenn es nach Kiew ginge, nicht von der Einschränkung betroffen sein sollen – und so ihre Positionen in den letztgenannten Territorien für einige Zeit länger behaupten können. Damit unterzeichnet Selenskij persönlich die Bescheinigung über den katastrophalen Personalmangel in den Streitkräften der Ukraine und die damit verbundene Gefahr eines Frontzusammenbruchs für Kiew.

Wir wissen alle noch, wie alle möglichen westlichen "Experten" uns Tag für Tag fleißig die Ohren vollbrabbelten, vonwegen: im Zeitalter der Drohnen sei die Zahl des Militärpersonals an der Front nicht mehr von entscheidender Bedeutung; auch habe die Ukraine mit europäischer Unterstützung Russland hinsichtlich der Anzahl der Drohnen überholt, sodass sich die Front ja aus Russlands Sicht gar nicht schnell genug bewege und Russlands Hinterland in Flammen stehe.

Alles nichts als Lüge. Sehr wohl bewegt sich die Front nach Westen, und das nicht nur aus Russlands Sicht (und mit der eher gemächlichen, im Übrigen aber wieder etwas angewachsenen Geschwindigkeit erkauft sich Russland eine Kriegsführung ohne große Verluste bei großen Verlusten für den Gegner, Anm. d. Red.), genauso "brennt" Russlands Hinterland vor allem im Internet – in Form lauter Schlagzeilen verantwortungsloser Medien, die den Hype aufgreifen, spektakulärer Fotos und Videos von brennenden Tankstellen und Versuchen ukrainischer Bots, in den sozialen Netzwerken Panik zu stiften und anzufachen. Und vor allem: Wozu dann diese verzweifelten Gesten und ständigen Appelle an Moskau, wenn ihr "bereits gesiegt" habt?

Die Armee besteht aus Menschen, nicht aus Drohnen. Und Kiew gehen physisch die Menschen aus. Das Regime von Selenskij hat die Menschen nie geschont. Er hat sie von Anfang an nicht geschont, als er beschloss, das ukrainische Volk im Kampf gegen Russland einzusetzen.

Die jüngsten Ereignisse beweisen im Umkehrschluss, dass die russische Strategie des Zermürbungskriegs funktioniert und, wie Wladimir Putin am 9. Mai sagte, "die Sache sich dem Ende zuneigt". Niemand wird die Opfer dieser Jahre (und noch davor – die Opfer des Donbass ab dem Jahr 2014, Anm. d. Red.) einfach ausblenden und die Sondermilitäroperation stoppen, wenn die Aussicht auf die Erreichung ihrer Ziele in Sicht ist.

Der Zusammenbruch der Front und die vollständige Schwächung der ukrainischen Streitkräfte bedeuten die Entmilitarisierung der Ukraine. Die Einnahme der Verteidigungslinie Slavyansk-Kramatorsk und das Vorstoßen bis an die Grenzen der DVR sind die Garantie für deren neutralen Status, denn diese Verteidigungslinie hat Kiew acht Jahre lang aufgebaut; eine zweite dieser Art gibt es nicht und wird es auch nicht geben, da man sie schlichtweg nicht errichten kann – hinter dem Donbass beginnen praktisch ungeschützte Regionen. Dies wird ein Argument für künftige ukrainische Regierungen sein, wenn sie wie gewohnt daran denken, ihre Verpflichtungen "auf die lange Bank zu schieben".

Schließlich ist der Sturz des antirussischen Regimes in Kiew infolge einer militärischen Niederlage der größte Schritt zur Entnazifizierung der Ukraine. Und dieser Moment steht kurz bevor, da Putin offen darüber gesprochen hat.

Übersetzt aus dem Russischen und zuerst erschienen bei RIA Nowosti am 29. Juni 2026.

Alexander Nossowitsch, Jahrgang 1987, ist ein russischer Politologe und Journalist. Er ist ein Spezialist für sozialpolitische Prozesse im Baltikum, in der Ukraine und in Weißrussland und Chefredakteur des analytischen Portals Rubaltic.ru.

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